Der Learning Friday: Warum wir uns regelmäßig einen Tag freinehmen
Der Learning Friday: Warum wir uns regelmäßig einen Tag freinehmen
„Dafür haben wir gerade keine Zeit.“ Diesen Satz hört man in jeder Agentur, in jedem Unternehmen, ständig. Meistens geht es dabei um genau die Dinge, die langfristig am meisten bringen würden: einen Prozess vereinfachen, ein neues Tool ausprobieren, eine bessere Lösung finden. Bei REIZPUNKT haben wir uns entschieden, diesen Satz nicht mehr gelten zu lassen. Und wir haben beschlossen, Verbesserungen nicht mehr zwischen zwei Kundenprojekten stattfinden zu lassen. Deshalb gibt es bei uns seit Neuestem den Learning Friday.
Was ist ein Learning Friday?
Ein Learning Friday ist eine ungewöhnlich konsequente Idee: In regelmäßigen Abständen nimmt sich die gesamte Agentur einen kompletten Freitag frei von der Kundenarbeit. An diesem Tag kommen interdisziplinäre Teams zusammen – aus Digital, Beratung, Kreation, Text und Verwaltung. Bewusst gemischt, denn die besten Lösungen entstehen oft an den Schnittstellen.
Die Themen legen wir vorher fest: Wiederkehrende Probleme aus dem Arbeitsalltag, Prozesse, die alle nerven, Fragen, für die im Tagesgeschäft kein Raum ist.
Ich war selbst gespannt, ob sich ein ganzer Tag ohne Kundenarbeit überhaupt rechtfertigen lässt. Nach unserem ersten Learning Friday würde ich eher fragen: Wie konnten wir vorher ohne auskommen?
Ich glaube, hier hatte niemand den Eindruck, einen Tag verloren zu haben. Im Gegenteil: Viele hatten zum ersten Mal seit Langem das Gefühl, wirklich an der Zukunft der eigenen Arbeit mitgewirkt zu haben.
Warum wir uns das leisten?
Weiterentwicklungen passieren nicht nebenbei. Wer glaubt, dass sich Prozesse von selbst optimieren, während alle im Tagesgeschäft stecken, irrt sich meistens. Deshalb reservieren wir aktiv Zeit dafür – auch wenn das bedeutet, dass an diesem Tag keine Kundenprojekte vorankommen. Das ist kein Widerspruch zu produktiver Arbeit, sondern eine Voraussetzung dafür, dass wir auf Dauer besser werden.
Ergebnisoffen, ganz bewusst
Ein Learning Friday hat kein garantiertes Ergebnis. Manchmal entsteht ein Tool, das ab dem nächsten Montag im Einsatz ist. Manchmal eine Idee, die einen Prozess spürbar vereinfacht. Und manchmal ist das Ergebnis ernüchternd: Wir stellen fest, dass eine vermeintliche Lösung in der Praxis keine Pluspunkte bringt.
Auch das zählen wir als Erfolg. Denn der eigentliche Wert unseres Learning Fridays liegt nicht in jedem einzelnen Ergebnis. Sondern darin, dass wir uns regelmäßig und intensiv mit der Verbesserung unserer eigenen Arbeit beschäftigen – statt es bei guten Vorsätzen zu belassen.
Was bisher dabei rauskam:
Aus unserem bisher stattgefundenen Learning Friday sind neue Abläufe entstanden, kleine Automatisierungen, aber auch Themen, die wir nach einem Tag wieder verworfen haben, weil sie sich als Sackgasse herausstellten. Genau diese Mischung macht das Konzept für uns glaubwürdig: Es ist kein Schaufenster für Erfolge, sondern ein echtes Arbeitsformat mit echten Ergebnissen – guten wie weniger guten.
Warum ich darüber schreibe?
Diese Reihe ist eine Dokumentation in Echtzeit – von einer Agentur, die sich regelmäßig die Zeit nimmt, an sich selbst zu arbeiten, ohne zu wissen, was am Ende herauskommt. Ich schreibe darüber, weil ich glaube, dass viele andere Agenturen und Unternehmen vor derselben Frage stehen: Wie schafft man Raum für brachliegende Potenziale, wenn das Tagesgeschäft nie stillsteht?
Vielleicht ist der größte Gewinn am Ende gar nicht das nächste Tool oder der nächste Prozess. Sondern die Gewohnheit, sich regelmäßig Zeit für Verbesserung zu nehmen. Ob das aufgeht? Die Frage greife ich in meinen weiteren Beiträgen sicher nochmal auf. Und natürlich bin ich schon sehr gespannt auf unseren nächsten Learning Friday!